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Warnstreik im Nahverkehr dauert in SH bis Sonntag | NDR.de – Nachrichten

Stand: 3. Februar 2024 00:04 Uhr

Der Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr in Schleswig-Holstein soll erst am frühen Sonntagmorgen enden. In Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg hingegen sollen Busse und Bahnen nach einem eintägigen Stillstand ab heute Morgen wieder fahren.

Am Freitag hatten Busse und Bahnen in weiten Teilen Norddeutschlands seit den frühen Morgenstunden den Betrieb eingestellt. Im Tarifstreit um höhere Gehälter, mehr Urlaubstage und Anpassungen bei den Schichtzulagen rief die Gewerkschaft ver.di zu einem Warnstreik im Nahverkehr in allen Bundesländern – außer Bayern – auf: in der Regel ab Betriebsbeginn um 3 Uhr morgens bis 3 Uhr morgens bin heute Morgen. Mancherorts – etwa in Schleswig-Holstein – werden die Streiks voraussichtlich noch etwas länger andauern.

Streik bei der Hamburger Hochbahn – Notbetrieb auf der Linie U3

In Hamburg begann der Warnstreik wie angekündigt am Freitag um 3 Uhr. Nach eigenen Angaben richtete die Hochbahn auf der Linie U3 einen Notbetrieb ein, um zumindest den ganzen Tag über einen zuverlässigen 20-Minuten-Takt anbieten zu können. Darüber hinaus verkehrten einige Buslinien im Notbetrieb. Der Fokus liege auf den Linien, die einen Anschluss an die S-Bahn bieten, sagte ein Hochbahn-Sprecher. Die Hamburger Hochbahn betreibt Bus- und U-Bahn-Verkehr in der Hansestadt. Die zur Deutschen Bahn gehörende S-Bahn war vom Warnstreik nicht betroffen. Außerdem verkehrten die HADAG-Hafenfähren sowie Regionalzüge und der AKN-Busersatzverkehr.

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Das Unternehmen teilte mit, dass es bis zum Morgen zu Ausfällen kommen könne. U-Bahnen und Busse fuhren am Freitag größtenteils nicht, die Linie U3 befand sich im Notbetrieb. mehr

Streik des Bodenpersonals am Hamburger Flughafen

Nach dem Warnstreik der Luftsicherheitskräfte und der Annullierung aller Abflüge am Donnerstag kam es auch am Freitagmorgen zu einer Situation Am Hamburger Flughafen begann ein weiterer Warnstreik. Ver.di hatte die Bodenabfertigungsdienstleister aufgefordert, ihre Arbeit von 3 Uhr morgens bis Mitternacht einzustellen. Vor der Sicherheitskontrolle bildeten sich lange Schlangen. Der Flugbetrieb lief jedoch normal, wie eine Flughafensprecherin sagte. Nur wenige Abflüge und Ankünfte wurden abgesagt. Die Sprecherin betonte, dass der Grund für die Annullierung dieser Flüge nicht der aktuelle Warnstreik in Hamburg sei. Der Flughafen teilte auf seiner Homepage mit, dass auch am Freitag ein Check-in am frühen Abend nicht möglich sei.

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Reisende stehen in einer Schlange an den Check-in-Schaltern im Terminal 1 des Hamburger Flughafens.  © picture Alliance / dpa Foto: Bodo Marks

Das Bodenpersonal des Flughafens streikte am Freitag. Der Flugbetrieb mit Starts und Landungen verlief jedoch weitgehend normal. mehr

Niedersachsen: Sechs kommunale Unternehmen betroffen

In Niedersachsen stellten Mitarbeiter der Braunschweiger Verkehrsgesellschaft, der Göttinger Verkehrsbetriebe, Osnabus und SWO-Mobil in Osnabrück, Stadtbus Goslar, Üstra Hannover und der Wolfsburger Verkehrsgesellschaft ihre Arbeit ein. Auch die Mitarbeiter der Bremer Straßenbahn AG streikten. Ver.di sprach am Freitagnachmittag von rund 2.500 Beschäftigten aus Niedersachsen und 1.200 in Bremen, die sich an den Streiks, Demonstrationen und Kundgebungen beteiligt hätten. „Die hohe Beteiligung der Kollegen an den heutigen Warnstreiks ist auch Ausdruck der Verärgerung der ÖPNV-Beschäftigten über die Vorschläge der Arbeitgeber aus der ersten Gesprächsrunde“, sagte Marian Drews, TV-Tarifverhandlungsführer bei ver.di. N führt in Niedersachsen.

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Am Betriebshof Glocksee befinden sich Stadtbahnfahrzeuge der Üstra-Verkehrsgesellschaft Hannover – die Beschriftung befindet sich auf Schildern

Busse und Bahnen standen vielerorts still. Laut ver.di demonstrierten in ganz Niedersachsen rund 2.500 Menschen. mehr

Bis Sonntag wird in Schleswig-Holstein gestreikt

Der Streik im öffentlichen Nahverkehr im nördlichsten Bundesland Schleswig-Holstein begann ebenfalls am Freitag um 3 Uhr – er wird voraussichtlich bis zur Betriebsaufnahme am Sonntagmorgen andauern. Betroffen sind Linien des öffentlichen Busverkehrs (TV-N) wie der Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG), der Stadtwerke mobil in Lübeck, des Stadtverkehrs in Neumünster und des AktivBus in Flensburg sowie privater Unternehmen in ganz Schleswig-Holstein. Ver.di-Verhandlungsführer Sascha Bähring ging am Freitag davon aus, dass 99 Prozent aller Busse im Depot verblieben seien. Die Arbeitgeber hielten diese Zahl für zu hoch.

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Zwei Informationstafeln am Zentralen Omnibusbahnhof Lübeck informieren über den Warnstreik am 2. Februar 2024. © NDR Foto: Julian Marxen

Laut ver.di begann der Streik am Freitag um 3 Uhr morgens und dauerte bis Sonntagmorgen. Betroffen sind auch private Busunternehmen. mehr

Mecklenburg-Vorpommern: Einzelne Buslinien fuhren trotz Streiks

Laut ver.di begann der Warnstreik in Mecklenburg-Vorpommern wie geplant um 3.30 Uhr und sollte am Samstagmorgen mit Arbeitsbeginn enden. Rund 90 Prozent des gesamten Nahverkehrs seien von der Aktion betroffen, sagte ver.di-Gewerkschaftssekretär Stefan Gillwald. Nach Angaben der Gewerkschaft sind dies unter anderem die Verkehrsbetriebe Ludwigslust Parchim, Nahbus Nordwestmecklenburg, die Straßenbahn Rostock, der Regionalbus Rostock, die Verkehrsbetriebe Mecklenburg-Vorpommern, die Verkehrsbetriebe Greifswald und die Verkehrsbetriebe Vorpommern-Greifswald. Der Nahverkehr in Schwerin war nicht betroffen.

Nach NDR-Informationen konnte die Mecklenburg-Vorpommersche Verkehrsgesellschaft (MVVG) einzelne Busse kurzfristig mit Mitarbeitern der Werkstatt im Betriebshof Friedland besetzen. Dadurch konnten weiterhin Busverbindungen in der Region Friedland bedient werden. Busse fuhren auch in Neustrelitz, Wesenberg, Mirow und Feldberg. Es gab hier Privatunternehmen, die sich nicht am Streik beteiligten.

Ver.di spricht von „Donnersignal“

In einer ersten Bilanz bezeichnete ver.di-Nord die Arbeitsniederlegungen als den „erfolgreichsten Warnstreik der letzten Jahre“. Mehrere tausend Arbeitnehmer in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein streikten. „Das ist ein gewaltiges Signal, das die Arbeitnehmer hier im Norden gesendet haben“, sagte Gewerkschaftssprecher Frank Schischefsky, die Arbeitgeber müssten „endlich konstruktive und vor allem akzeptable Angebote“ auf den Tisch legen.

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Während eines weiteren Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr stehen die Züge im Betriebshof der Rostocker Straßenbahn AG.  © Jens Büttner/dpa-Zentralbild Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat zum Streik aufgerufen. Die Fertigstellung ist für Samstagmorgen geplant. mehr

130 Unternehmen mit 90.000 Mitarbeitern betroffen

Von den Arbeitskämpfen im ÖPNV waren bundesweit mehr als 130 kommunale Betriebe mit insgesamt rund 90.000 Beschäftigten und damit der Bus-, U-Bahn- und Straßenbahnverkehr in 81 Städten und 42 Kreisen betroffen. Ver.di beklagte letzte Woche, dass die ersten Tarifverhandlungen in allen 16 Bundesländern zu keinem Ergebnis geführt hätten. Laut ver.di unterscheiden sich die Tarifverträge in den einzelnen Ländern in vielerlei Hinsicht. Jeder Tarifbereich hat seine eigenen Anforderungen entwickelt. Aber generell geht es um die Reduzierung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich, kürzere Schichten, die Reduzierung unbezahlter Fahrtzeiten, die Verlängerung der Ruhezeiten, die Erhöhung des Urlaubsanspruchs und zusätzliche Entlastungstage.

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Lokführerstreik in Wismar: Einige Reisende erreichten ihr Ziel trotz Streik – dank des Notfahrplans der Bahn.  © Jens Büttner/dpa Foto: Jens Büttner

Die Streikpause bis mindestens zum 3. März sei für beide Seiten gut, sagte GDL-Chef Weselsky. Die Bahn ist zuversichtlich, nun einen Tarifvertrag abschließen zu können. mehr

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NDR-Info | Nachrichten | 02.02.2024 | 23:00 Uhr

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Adelbert

Hallo, ich bin Adelbert. Ich bin Nachrichtenautorin und es liegt mir am Herzen, wichtige Geschichten zum Leben zu erwecken. Ich schreibe nun schon seit Jahren und liebe die Herausforderung, die richtigen Worte zu finden, um eine Geschichte auf interessante Weise zu erzählen. Meine Lieblingsthemen sind Politik und aktuelle Ereignisse, und ich bemühe mich, den Lesern genaue Informationen zu liefern, die ihnen helfen können, fundierte Entscheidungen zu treffen. Wenn ich nicht schreibe, genieße ich es, neue Orte zu erkunden und neue Leute kennenzulernen.
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