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Oberlandesgericht Frankfurt: IS-Unterstützerin Nadja R. zu drei Jahren Haft verurteilt | hessenschau.de

Eine 39-jährige Frau ist wegen ihrer IS-Mitgliedschaft zu mehr als drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Nadja R. schickte ein Hilferufvideo an die Kanzlerin. Der Richter richtete nun einen ungewöhnlichen Appell an die verurteilte Frau.

Das Oberlandesgericht Frankfurt verurteilte die 39-jährige Nadja R. am Mittwoch wegen „Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung (IS) und Kriegsverbrechen gegen Eigentum“ zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren und die Verteidigung von zweieinhalb Jahren Haft gefordert. Dennoch kam es jeweils nicht zu einer Revision. Das Urteil ist daher bereits rechtskräftig. R. muss sich seit September letzten Jahres vor dem Staatssicherheitssenat verantworten.

Rekrutierung heiratswilliger Frauen

Die Angeklagte war bereits im Juni 2014 nach Syrien ausgereist, wo sie nach islamischem Ritus einen IS-Kämpfer heiratete und dessen Haushalt führte.

Später kam das Paar in den Irak, wo sie in das Haus einer zuvor geflüchteten Familie einzogen. Die Frau wurde 2017 von kurdischen Einheiten festgenommen. Bis zu ihrer Auslieferung blieb sie in mehreren Lagern.

Nach Angaben des Gerichts versuchte die Frau außerdem, weitere IS-Mitglieder zu rekrutieren, indem sie im August 2014 auf ihrer Facebook-Seite einen Post an heiratswillige Frauen schrieb und sie um ihre Unterstützung bei der Ausreise aus Deutschland oder Europa in das IS-Kampfgebiet bat.

Ein Geständnis mildert die Strafe

Sie legte vor Gericht ein umfassendes Geständnis ab, das bei ihrer Strafe als mildernder Umstand berücksichtigt wurde. Auch die Lageraufenthalte wurden mildernd berücksichtigt, jedoch nicht auf die verhängte Strafe angerechnet. Daher blieb der nach der Auslieferung im Jahr 2022 erlassene Haftbefehl in Kraft.

Während der 14 Verhandlungstage berichtete die Angeklagte aus ihrem bewegten Leben. Als Kind wurde sie von ihrem gewalttätigen libanesischen Vater in den Libanon entführt und dort im Alter von 14 Jahren gezwungen, eine Cousine zu heiraten.

Im Alter von 15 Jahren bekam sie ihr erstes Kind. Doch dann schien sie einen Ausweg für sich zu finden. Die anfängliche interne Flucht in die Religion markierte den Beginn ihrer religiösen Radikalisierung. Im Jahr 2011 drehte sich ihr ganzes Leben um den Islam. Gegen den Willen ihrer Familie verhüllte sie sich und schaute sich auf Facebook Videos relevanter Salafisten und Dschihadisten an. Sie entwickelte den Wunsch, sich dem bewaffneten Dschihad anzuschließen.

Video an Bundeskanzlerin Merkel

Während des Prozesses bezeichnete Nadja R. ihre ersten Jahre beim IS als die beste Zeit ihres Lebens – ein Leben, das von Gewalt und Entwurzelung geprägt war. Sie beschloss, selbst dem IS beizutreten. Dem Urteil zufolge war es die erste freie Entscheidung ihres Lebens.

Nadja R. sorgte 2017 mit einem in der Wochenzeitung „Die Zeit“ veröffentlichten Video für Aufsehen. Es war ein Hilferuf an die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Damals saß die gebürtige Landshuterin mit ihren beiden Kindern in einem kurdischen Gefangenenlager fest.

Persönliche Worte des Richters

Am Ende der Urteilsverkündung am Oberlandesgericht wandte sich der Vorsitzende Richter am Mittwoch mit äußerst persönlichen Worten direkt an den Verurteilten. Er gab Nadja R. den persönlichen Rat, ihre Zeit im Gefängnis als Strafe, aber auch als Chance zu begreifen.

Sie sollte dort psychologische Hilfe annehmen, um ihre eigenen Traumata und ihre radikale Einstellung zu verarbeiten. Der Richter warnte sie davor, „in die Hände von Verführern zurückzufallen“. Sie verbrachte ihr Leben damit, das zu tun, was andere ihr sagten. Sie sollte jetzt damit aufhören.

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Adelbert

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