Marktbericht: DAX-Erholungsrallye geht weiter | tagesschau.de


Marktbericht

Stand: 7. Mai 2024 16:09 Uhr

Der deutsche Leitindex stieg am Nachmittag weiter an und könnte damit den Weg zu seinem bisherigen Rekord von Anfang April ebnen. Infineon, einer der größten Indexverlierer des Jahres 2024, hat den Spitzenplatz im DAX übernommen.

Der deutsche Leitindex setzte seine Erholung im späten Handelsverlauf fort und erreichte den höchsten Stand seit vier Wochen. Getrieben von der Erwartung, dass die US-Notenbank die Leitzinsen bald senken wird, liegt der DAX am Nachmittag um mehr als ein Prozent höher bei 18.370 Punkten. Der DAX hat erneut klar sein Rekordhoch von 18.567 Punkten von Anfang April im Visier.

Die aktuelle Berichtssaison sorgt auch für neue Impulse für den deutschen Leitindex: Allein fünf DAX-Werte legten heute ihre aktuellen Quartalsberichte vor, wobei vor allem Aktien von Infineon und Zalando stark nachgefragt waren. Auch die Geldpolitik bleibt im Fokus der Anleger; Die Erwartung bevorstehender Zinssenkungen in den USA hatte bereits in den vergangenen Tagen die Preise getrieben.

Allerdings gibt es erneut gemischte Signale aus der deutschen Wirtschaft. Im Vergleich zum Vormonat gingen die Bestellungen im März um 0,4 Prozent zurück. Analysten hatten mit einem durchschnittlichen Anstieg von 0,4 Prozent gerechnet. „Vor diesem Hintergrund dürfte sich der jüngste Anstieg der Industrieproduktion nicht als nachhaltig erweisen, so dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal voraussichtlich nicht wieder wachsen wird“, warnt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen.

Die US-Börsen sind verhalten optimistisch in den heutigen Handel gestartet. Der Dow-Jones-Index der Standardaktien stieg zur Eröffnung um 0,18 Prozent. Der breiter gefasste S&P 500 konnte seine Gewinne zum vierten Mal in Folge ausbauen: Der Index legte um 0,22 Prozent zu. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100, der zuletzt besser abschnitt, stieg um 0,2 Prozent. Aussagen anderer Mitglieder der US-Notenbank zu Inflation und Zinssätzen könnten erneut für Aufmerksamkeit sorgen.

Fed-Chef Jerome Powell hob kürzlich die Stimmung, indem er bestätigte, dass die nächste Zinserhöhung nach unten erfolgen würde. Analysten waren jedoch vorsichtig. „Allerdings ist das unterdurchschnittliche Handelsvolumen ein Warnzeichen“, sagte Jochen Stanzl, Chefanalyst beim Broker CMC Markets. „Üblicherweise nimmt die überwiegende Mehrheit der Anleger an einer echten Erholung teil. Allerdings scheinen die neuen Zinshoffnungen nur eine relativ kleine Gruppe zu begeistern, die vorerst noch das Kursgeschehen bestimmt.“

Gold hat seine Verluste ausgeweitet. Am Nachmittag kostete eine Feinunze Gold 2.315 Dollar, 0,5 Prozent weniger. Zu Beginn der Woche hatte das gelbe Edelmetall von der wiederbelebten Zinssenkungserwartung profitiert und kräftige Kursgewinne verzeichnet. Der Euro liegt bei 1,0775 US-Dollar.

Die Ölpreise konnten ihre anfänglichen Gewinne nicht halten und mussten Verluste hinnehmen. Rohöl der Sorte Brent aus der Nordsee kostet derzeit 82,89 US-Dollar pro Barrel, ein Rückgang um 0,74 Prozent.

Infineon dominiert heute die Gewinnerliste im DAX: Die Aktien, die bisher zu den größten Indexverlierern im Jahr 2024 zählten, starteten nach dem Quartalsbericht in eine Erholungsrallye. Der Preisanstieg wuchs auf über 13 Prozent, obwohl der Chipkonzern wie befürchtet seine Prognose für dieses Jahr erneut senken musste. Doch die Anleger setzen wieder auf bessere Zeiten. Der Analyst der Bank of America, Didier Scemama, geht davon aus, dass dies die letzte Kürzung sein wird.

Auch die Aktien von Zalando sind stark nachgefragt; Mit einem Plus von über acht Prozent belegen sie den zweiten Platz im DAX. Für Rückenwind sorgt, dass der Online-Modehändler im ersten Quartal dank seiner Sparmaßnahmen etwas profitabler war als erwartet. Aufgrund der heutigen Kursgewinne entwickelt sich die Zalando-Aktie im Jahr 2024 nach und nach zum Anlegerliebling unter den 40 DAX-Werten.

Die angeschlagene Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof soll nach der geplanten Übernahme durch die neuen Eigentümer einen neuen Namen erhalten. Die Bezeichnungen Karstadt und Kaufhof fallen Ende Juli weg und das Unternehmen heißt dann nur noch Galeria. Das teilte Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus mit. „Viele der neueren Filialen haben Galeria nur auf der Vorderseite“, begründete er die Entscheidung. Die drei jüngsten Insolvenzverfahren sind eng mit den Namen verbunden. Deshalb wolle man „einen alten Zopf“ abschneiden.

Nach einem Rekordjahr hat der Baustoffkonzern Heidelberg Materials aufgrund der schwachen Baukonjunktur im ersten Quartal deutlich weniger verdient. Das Betriebsergebnis sank im Vergleich zum Vorjahresquartal um zehn Prozent auf 232 Millionen Euro.

Der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers hat seine Ergebnisse im zweiten Quartal verbessert. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg um acht Prozent auf 822 Millionen Euro. Nach Steuern verdiente der DAX-Konzern 431 Millionen Euro nach 108 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Aktienkurs erreichte vorübergehend den niedrigsten Stand seit November. Richard Felton von der Investmentbank Goldman Sachs analysierte, dass Umsatz und Betriebsergebnis leicht hinter den Erwartungen zurückblieben.

Der Logistikkonzern DHL Group ist mit einem Ergebnisrückgang in das Jahr gestartet. Wie erwartet habe es im ersten Quartal keine nennenswerte Erholung der Weltwirtschaft gegeben, teilte das Unternehmen mit. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank um fast ein Fünftel auf knapp über 1,3 Milliarden Euro. Unter dem Strich sank der Gewinn ähnlich auf 743 Millionen Euro.

Teamviewer-Aktien gehören zu den größten Verlierern im MDAX. Die starke Nachfrage von Geschäftskunden hielt Teamviewer zu Jahresbeginn auf Wachstumskurs. Der Anstieg blieb jedoch hinter den Erwartungen der Anleger zurück, die daraufhin die Aktien des Softwareunternehmens aus ihren Portfolios warfen.

Die Spannungen zwischen Russland und dem Westen lassen die Auftragsbücher des Verteidigungselektronikkonzerns Hensoldt weiter anschwellen. Zwischen Ende Dezember und Ende März wuchs der Auftragsbestand um mehr als sechs Prozent auf den Rekordwert von fast 5,9 Milliarden Euro. Trotz einer höheren Marge im Tagesgeschäft schrieb der Radarspezialist unter dem Strich erneut rote Zahlen.

Der Dialysespezialist Fresenius Medical Care profitierte zu Jahresbeginn von höheren Verkaufspreisen und weiteren Einsparungen. Das bereinigte Betriebsergebnis stieg im ersten Quartal zu konstanten Wechselkursen um 23 Prozent auf 416 Millionen Euro. Unter dem Strich sank der Konzerngewinn jedoch um 18 Prozent auf 71 Millionen Euro.

Lufthansa will ihre oft genervten Kunden künftig besser bedienen. Chaos in Service und Prozessen war ein wichtiges Thema auf der heutigen Hauptversammlung des MDAX-Konzerns. So warnten etwa die beiden großen deutschen Investmentgesellschaften DWS und Deka Investment, dass das „Service-Chaos“ der Marke mit dem Kranich schade. „Lufthansa braucht Kunden, und zwar zufriedene Kunden“, sagte die DWS. Lufthansa-Chef Carsten Spohr war sich der Problematik bewusst. „Wir wissen sehr gut, dass wir manchmal die Geduld unserer Kunden strapaziert haben“, sagte er und versprach, er werde „alles tun, was in seiner Macht steht“, um den Kunden wieder ein Premium-Angebot zu liefern. Zur Verbesserung der Prozesse wurde eine Task Force gegründet.

Der Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Frankreich hat eine Kundgebung unter Cognac-Produzenten ausgelöst. Die Aktien von Pernod Ricard und Remy Cointreau gehören zu den größten Gewinnern in Paris. Der französische Präsident Emmanuel Macron dankte Xi am Vorabend für seine „offene Haltung“ in der Cognac-Frage. Aus diplomatischen Kreisen erfuhr Reuters, dass China keine Steuern oder Zölle auf französischen Cognac erheben will, bis die Antidumpinguntersuchungen abgeschlossen sind.

Die Schweizer Großbank UBS hat im ersten Quartal überraschend einen Milliardengewinn eingefahren. Rund ein Jahr nach der Übernahme des damaligen Konkurrenten Credit Suisse verdiente das Institut 1,76 Milliarden Dollar, rund 70 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das war weit mehr, als Analysten im Durchschnitt erwartet hatten.

Ein überraschender Gewinn der Streaming-Töchter „Disney+“ und „Hulu“ für Filme und Serien stimmt Walt Disney optimistischer. Der US-Unterhaltungskonzern hat heute seine Ziele für das Gesamtjahr angehoben. Allerdings überschatteten enttäuschende Einnahmen aus dem klassischen TV-Geschäft und den Kinoproduktionen den Ausblick. Auch Disney ist im abgelaufenen Quartal durch milliardenschwere Abschreibungen in die Verlustzone gerutscht. Unterm Strich stand ein Verlust von 20 Millionen Dollar nach einem Gewinn von fast 1,3 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Der Preis fiel auf den niedrigsten Stand seit drei Monaten.

Hoffnungen auf eine Übernahme des schwer angeschlagenen Sportartikelkonzerns Peloton haben den Aktienkurs beflügelt. Die Aktien schoss zu Handelsbeginn um fast 13 Prozent nach oben. Zuvor hatte der US-Wirtschaftssender „CNBC“ unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, dass Finanzinvestoren über eine Übernahme von Peloton nachgedacht hätten.

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