Deutschland

Handball-EM: Deutschlands Knoten platzt gegen Ungarn – Halbfinale ganz nah

Stand: 23. Januar 2024 00:09 Uhr

Die deutschen Handballer reagierten stark auf die schwache Leistung gegen Österreich und besiegten Ungarn mit einer Topleistung 35:28 (18:17). Die Tür zum Halbfinale steht nun weit offen.

Seine Mitspieler mussten ihn fast drängen, doch nach peinlichem Zögern ging Julian Köster mit einem breiten Grinsen auf die Auszeichnung „Spieler des Spiels“ zu. Der 23-Jährige, der in Brauweiler, weniger als 20 Kilometer von der Köln-Arena entfernt, das Handballspielen erlernte, wurde von den 19.750 Zuschauern zu Recht gefeiert. Er schoss in neun Versuchen acht Tore und glänzte, wie schon das gesamte Turnier hindurch, auch in der Abwehr. „Ich freue mich sehr, vor allem in meiner Heimatstadt Köln, das ist ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst“, sagte Köster bei der Sportschau. „Wenn die Halle so ausrastet und ich der Mannschaft so helfen kann, macht es noch mehr Spaß.“

Desiree Krause, Sportshow, 22.01.2024 23:03 Uhr

Das Team tanzte im Kreis, freute sich aber nur kurz über den Sieg. Noch auf dem blauen Parkett schwor Bundestrainer Alfred Gislason seiner Mannschaft den „Matchball“ gegen Kroatien: Noch ein Sieg am Mittwoch (20.30 Uhr, live in der ARD und auf sportschau.de), dann stehen die Gastgeber im Halbfinale -Finale ihrer Europameisterschaft, wie sie es sich erträumt haben.

So weit ist es noch nicht. Trotzdem wurde am späten Montagabend in der Köln-Arena gefeiert – und eine Mannschaft, die nach dem „grausamen Auftritt“ (Trainer Alfred Gislason) gegen Österreich nicht mehr wiederzuerkennen war.

  • Hauptrunde, 3. Spieltag
    Pfeil nach rechts

Wolff taut in der zweiten Halbzeit auf

Die Mannschaft zeigte vor allem in der Offensive eine Klasseleistung, die Spielzüge funktionierten deutlich besser, es gab Tempo und Abwechslung. Nach 23 Fehlwürfen am Samstag war der Knoten endgültig geplatzt. „Der Angriff war heute fantastisch, wir haben auf die Kritik nach dem Österreich-Spiel super reagiert“, sagte Torwart Andreas Wolff. Diese Verbesserung war dringend nötig, da die Ungarn einerseits zu Beginn wieder über viel Wurfkraft aus dem Rückraum verfügten. Zum anderen, weil Wolff, der Held der Spiele gegen Island und Österreich, nichts erreichen konnte.

Diesmal spielte der 32-Jährige zu Beginn überhaupt keine Rolle; Erst in der zweiten Halbzeit rettete er erstmals einen Wurf. „Ich hatte das Gefühl, dass ich mehr Eigentore geschossen habe, als wir kassiert haben“, äußerte sich Wolff selbstkritisch, weshalb das Spiel auch zur Halbzeit noch offen war. Erst als Wolff auftaute und in den zweiten 30 Minuten neun Paraden erzielte, zog Deutschland davon.

Knorr – „Unser bestes Angriffsspiel“

„Wir haben unser bestes Angriffsspiel im gesamten Turnier gespielt“, sagte Spielmacher Juri Knorr. „Es war klar, dass mit der Zeit die Abwehr kommt, dass Andi kommt.“ Der 23-jährige Center-Mann warf nur fünf Würfe (und punktete viermal), tat dies aber zum richtigen Zeitpunkt. Mit drei Knorr-Toren setzte sich Deutschland erstmals nach der Pause auf 21:18 durch, der Regisseur setzte seine Mitspieler geschickt ein und gab das Tempo vor. Neben Knorr, Köster konnten auch Sebastian Heymann und Kai Häfner (jeweils vier Tore) glänzen.

„Was mir heute auffiel, war die taktische Reife, die wir als Team gezeigt haben“, sagte Knorr. „Von uns wurde erwartet, dass wir kämpfen, Gas geben, irgendwann den Kopf verlieren, aber das haben wir heute nicht getan. Es macht mich einfach stolz, weil ich wusste, dass es möglich ist und dass es in uns steckt.“

Zerbe – dreieinhalb Stunden zwischen Heimat und Nationalhymne

Lukas Zerbe gab sehr kurzfristig sein EM-Debüt und ersetzte den grippekranken Timo Kastening. Der Rechtsaußen vom TBV Lemgo Lippe reiste erst am Montagnachmittag zur Mannschaft – zwischen dem Anruf und der Nationalhymne lagen nur dreieinhalb Stunden. „Ich dachte, ich würde heute Abend ganz normal trainieren“, sagte der 28-Jährige, der sich stattdessen schnell seine Sporttasche schnappte und nach Köln fuhr. „Es war großartig, Gänsehaut pur bei der Nationalhymne, es hat riesig Spaß gemacht.“

Kastening, so hofft Bundestrainer Alfred Gislason, soll am Mittwoch gegen Kroatien wieder dabei sein. Mit einem Sieg erreicht die deutsche Mannschaft das Halbfinale, wo sie auf den zweitplatzierten Dänemark treffen würde. Gislason denkt noch nicht darüber nach. „Wir sind noch nicht weiter“, sagte der 64-Jährige, der mit seiner Mannschaft ein K.-o.-System ausrief. „Wir haben es ins Achtelfinale geschafft und jetzt steht uns das Viertelfinale bevor.“

Andreas Wolff wurde übrigens in Kastenings Abwesenheit DJ und durfte in der Garderobe für die Musik sorgen. „Für die Jungs hat es gut geklappt“, sagte Wolff. „Für mich – naja. Vielleicht mag ich meine eigene Musik nicht.“ Nach dem erlösenden Sieg ist die Lockerheit zurück. Wenn die Offensivkräfte und die Torhüter am Mittwoch gleichermaßen abliefern, dann zieht Deutschland ins Halbfinale der Heim-EM ein.

Adelbert

Hallo, ich bin Adelbert. Ich bin Nachrichtenautorin und es liegt mir am Herzen, wichtige Geschichten zum Leben zu erwecken. Ich schreibe nun schon seit Jahren und liebe die Herausforderung, die richtigen Worte zu finden, um eine Geschichte auf interessante Weise zu erzählen. Meine Lieblingsthemen sind Politik und aktuelle Ereignisse, und ich bemühe mich, den Lesern genaue Informationen zu liefern, die ihnen helfen können, fundierte Entscheidungen zu treffen. Wenn ich nicht schreibe, genieße ich es, neue Orte zu erkunden und neue Leute kennenzulernen.
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"