Ex-Ermittler bringt neue Theorien ins Spiel – und erklärt „Phase zwei“

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Der kleine Arian wird seit dem 22. April vermisst. Die aktive Suche nach dem Sechsjährigen lief auf Hochtouren und wird nun eingestellt. Ex-Ermittler Axel Petermann erklärt warum.

Bremervörde – Eine Woche lang suchten Polizei, Feuerwehr, Bundeswehr und viele Freiwillige fast rund um die Uhr nach Arian. Von 1.200 Einsatzkräften ist die Rede. Sie durchsuchten jede noch so kleine Ecke in und um Bremervörde-Elm (Niedersachsen), wo der sechsjährige Junge lebt.

Der Junge wurde zuletzt am Montagabend gegen 19:30 Uhr im Haus seiner Eltern gesehen. Arian, der autistisch ist und nicht auf Ansprachen reagiert, könnte sich auf dem Grundstück eines anderen verstecken oder unbemerkt bleiben, ohne auf sich aufmerksam zu machen. Die Eltern baten alle Bewohner dringend um Hilfe.

Polizei gibt Ende der aktiven Fahndung nach Arian aus Niedersachsen bekannt

Nach tagelanger Suche kündigten die Ermittler am späten Montagnachmittag (29. April) einen Strategiewechsel an. „Ab morgen werden wir hier nicht mehr vor Ort sein“, sagte ein Sprecher und erklärte die aktive Suche für beendet. Die Durchsuchung würde nur ad hoc erfolgen, heißt es. Eine Ermittlungsgruppe mit Experten für Vermisstenfälle wird den Fall weiter bearbeiten. Nun beginnt die Ermittlungsphase zu Arians Verschwinden.

Axel Petermann erklärt Phase zwei der Suche nach Arian IPPEN.MEDIA. „Die Ermittler untersuchen nun die Umstände des Verschwindens und werden dort ansetzen, wo er zuletzt gesehen wurde.“ Sie werden wahrscheinlich versuchen, objektive Fakten wie das Video einer Überwachungskamera zu nutzen, um das Geschehene mit Zeugenaussagen in Einklang zu bringen und darüber nachzudenken, was passiert ist. Ich muss immer noch darüber nachdenken, wegzulaufen.

Petermann war jahrelang als Mordermittler tätig und wurde um die Jahrtausendwende zum Profiler. Als solcher beriet er anschließend die Ermittler. Mittlerweile im Ruhestand, ermittelt er in zahlreichen Vermisstenfällen – meist im Auftrag von Angehörigen. Er diskutierte kürzlich auch den Fall Rebecca Reusch IPPEN.MEDIA An. Sein Podcast „The Crucial Indicator“ wurde für den Deutschen Podcastpreis nominiert.

Theorien im Fall des vermissten Arian: Wurde er entführt oder gab es einen Unfall?

„Von außen betrachtet agiert die Polizei sehr gewissenhaft, kreativ und professionell. Sie müssen dem vertrauen, was ihnen gesagt wird. Nämlich, dass der Junge in einem unbemerkten Moment weggelaufen ist“, sagt Petermann. „Aber natürlich, vielleicht wurde er zufällig von einem Fremden gesehen und entführt, vielleicht gab es einen Unfall, weshalb der Junge nicht auf sich aufmerksam machen kann.“

Die Polizei und ihre Helfer suchten zunächst die typischen Gefahrenstellen für Kinder wie Teiche, Flüsse oder Gräben ab. Nun wird aber darauf reagiert, ob es Beobachtungen gegeben hat – und offenbar umso mehr, wohin die gefundenen Fußabdrücke führen. „Ein Kind bewegt sich und sucht nach Orten, an denen bereits Menschen gesucht haben. Vielleicht gibt es Orte und Orte, zu denen das Kind eine Beziehung pflegt, weil es sich dort einmal wohl gefühlt hat.“

Axel Petermann war Mordermittler, bevor er um die Jahrtausendwende Profiler wurde. Der von der Polizei bestätigte Fallanalytiker berät die Ermittler seitdem. Bis 2014. Dann ging er in den Ruhestand. Kriminalfälle beschäftigen ihn jedoch weiterhin. Seine auf wahren Begebenheiten basierenden Bücher brachten ihn auf die Spiegel-Bestsellerliste. © Ralf Gemmecke

Mega-Suche der Einsatzkräfte ohne Erfolg – ​​nun wird Arians Umgebung ins Visier genommen

Insgesamt wurde eine Fläche von 5.300 Hektar zu Land, zu Wasser und aus der Luft von Feuerwehr, Bundeswehr, THW, DLRG und Polizei durchsucht. Das entspricht der Fläche von über 7.500 Fußballfeldern. Täglich waren rund 800 Menschen im Suchgebiet im Einsatz, darunter viele Spezialeinheiten der Polizei mit Hunden, Pferden, Hubschraubern, Drohnen, Booten und Tauchausrüstung.

Was der Strategiewechsel der Polizei auch bedeuten könnte: „Ich möchte das allgemein sagen und es nicht auf diesen Fall beziehen.“ Die Polizei muss aber die Richtigkeit der Angaben der Eltern prüfen bzw. hat diese sicherlich bereits geprüft. Das ist komplex. Einerseits muss die Suche koordiniert werden, andererseits müssen die Ermittler auch Hinweisen aus der Öffentlichkeit und gefundenen Spuren nachgehen. Wenn ein Kind verschwindet, besteht immer ein hohes Maß an Gefahr. Da klingeln immer die Alarmglocken.“

Warum endet die große Suche jetzt? In Bremervörde lebt die Hoffnung auf ein Wunder

Einen Endtermin für den Abbruch der Suche gebe es derzeit nicht, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag NDR. Doch nachdem am Wochenende noch einmal jeder Stein umgedreht worden war, erklärte die Polizei am Montagnachmittag nüchtern: „Wir haben gestern noch einmal alles auf die Waagschale geworfen.“ Aber es gab keinen Erfolg. „Wir waren kurz davor zu versprechen, dass wir ihn finden würden, und das konnten wir nicht halten.“ Auch wenn die Hoffnung langsam schwindet, berichtete ein Polizist von einem „echten Gänsehautmoment“ bei der Durchsuchung, der ihn motivierte.

Warum wird die große Suchaktion jetzt abgebrochen? In einem anderen Fall wurde der vermisste Joe am achten Tag gefunden. Vom Wunder von Oldenburg ist die Rede. Petermann sagte, es gebe viele Faktoren, die berücksichtigt werden müssten. „Wann eine Suche gestoppt wird, hängt vom Kind selbst, den Temperaturen und Wetterbedingungen, dem Gesundheitszustand und der Umgebung ab.“

„Wenn ein Kind vermisst wird, besteht immer ein hohes Maß an Gefahr. Da klingeln immer die Alarmglocken.“

Laut Petermann sollten sich die Ermittler folgende Fragen stellen: „Wenn Arian von niemandem mitgenommen wurde, wie lange kann er dann ohne Essen und Trinken auskommen und für sich selbst sorgen?“ Und dann wird irgendwann der Zeitpunkt kommen, an dem Sie sagen werden: Wir haben alles Erdenkliche getan, um das Kind zu finden. Schauen wir uns jetzt noch einmal andere Dinge an.“

Aktive Suche nach Arian in Bremervörde eingestellt – doch Petermann sagt, was Hoffnung gibt

Vor ein paar Tagen sagte Peter Jamin, Experte für vermisste Personen IPPEN.MEDIAEr will nichts ausschließen. Auch Entführungen sind möglich. „Dann werden die Ermittler nach einem Täter suchen, der sich aus welchen Gründen auch immer für Kinder interessiert, dürfen dabei aber natürlich auch das familiäre Umfeld nicht außer Acht lassen: Suchen Sie also nach Spuren im Haus, falls es noch nicht geschehen ist, und überprüfen Sie auch das.“ das Auto“, sagte Petermann.

Als ehemaliger Ermittler und Fallanalytiker blickt Petermann auf langjährige Berufserfahrung und unterschiedlichste Fälle zurück. Was gibt Hoffnung? „Dass viele Menschen nach Arian suchen und dass wir aus der Vergangenheit wissen, dass diese Aktionen auch erfolgreich enden können.“

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