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Bahnstreik: Viele Züge fallen bis Montag aus | NDR.de – Nachrichten

Stand: 24. Januar 2024 02:05 Uhr

Die Lokführergewerkschaft GDL hat die Beschäftigten der Deutschen Bahn (DB) erneut zum Streik aufgerufen. Es begann am frühen Morgen mit dem Personenverkehr und soll bis Montag um 18 Uhr andauern

Der Streik im Güterverkehr dauert seit gestern Abend an. Die Bahn teilte mit, dass mehrere Güterzüge streiken und ihre Ziele nicht erreichen könnten. Im Personenverkehr werde der Streik „massive Auswirkungen“ auf den Fern- und Regionalzugverkehr haben. Der erstellte Notfallfahrplan ist auf der Die Internetseite der Deutschen Bahn kann über die normale Verbindungsabfrage aufgerufen werden. Aufgrund des eingeschränkten Angebots im Fernverkehr empfahl das Unternehmen seinen Kunden, frühzeitig einen Sitzplatz zu reservieren. In Ballungsräumen ist zudem mit Ausfällen und Verspätungen bei der S-Bahn zu rechnen.

Erst am Freitag hatte die Bahn der GDL ein neues Tarifangebot vorgelegt. Dazu gehört unter anderem auch eine Option auf eine Stunde weniger Arbeitszeit für Lokführer und Zugbegleiter ab dem 1. Januar 2026. Für neue Verhandlungen reichte dies jedoch offenbar nicht aus. „Mit dem dritten und vermeintlich verbesserten Angebot hat die Deutsche Bahn einmal mehr gezeigt, dass sie ihren bisherigen Kurs der Verweigerung und Konfrontation unbeirrt fortsetzt – von Einigungswillen ist keine Spur.“ hieß es in einer GDL-Mitteilung.

Bahn nennt GDL-Streik „unverantwortlich“

Die DB kritisierte den neuen Streik: „Die DB setzt auf Kompromisse, die GDL verschärft den Konflikt übertrieben“, erklärte ein Bahnsprecher. „Wer mit einem neuen Angebot mit bis zu 13 Prozent und der Möglichkeit einer 37-Stunden-Woche bei gleichem Gehalt nicht einmal an den Verhandlungstisch kommt, handelt absolut verantwortungslos.“ Die Bahn hatte angekündigt, dieses Mal keine rechtlichen Schritte gegen die Arbeitsniederlegung einzuleiten.

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Die Bahn wird sechs Tage lang streiken. Die Kunden sind verärgert und der Wirtschaft drohen Verluste in Hunderten Millionen Euro. Aber es gibt auch Profiteure. mehr

Kritik gab es auch von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP). Lösungen sind nur möglich, wenn wir miteinander verhandeln. Tarifkonflikte sollten „beigelegt und nicht außen vor gelassen“ werden, sagte Wissing. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte, er wolle schnelle und konstruktive Gespräche – er wolle sich aber nicht in den Konflikt einmischen. Die Grünen sprachen sich für ein Schlichtungsverfahren aus.

Der Notfahrplan soll einen eingeschränkten Zugverkehr gewährleisten

Wer bereits ein Ticket für eine Fahrt ab Mittwoch habe, könne dieses vorziehen, teilte die Deutsche Bahn mit. Tickets können daher auch zu einem späteren Zeitpunkt genutzt oder storniert werden. Ein Notfahrplan sorge nur für ein sehr eingeschränktes Zugangebot im Regional- und Fernverkehr, hieß es DB-Website. Wie bei früheren Streiks sollen längere Züge mit mehr Sitzplätzen eingesetzt werden, „um möglichst viele Menschen an ihr Ziel bringen zu können“. Bei den drei vorangegangenen Arbeitskämpfen fielen rund 80 Prozent der Fernzüge aus.

Niedersachsen: Einige Linien alle zwei Stunden

In Niedersachsen werden voraussichtlich die Züge der Linie RB44/RB 48 (Braunschweig – Salzgitter-Lebenstedt) ausfallen. Hingegen verkehren gelegentlich Züge auf den Linien RE1 (Norddeich (Mole) – Bremen Hbf – Hannover Hbf), RE9 (Osnabrück Hbf – (Bremen Hbf) – Bremerhaven-Lehe), RB40 (Osnabrück Hbf – (Bremen Hbf) – Bremerhaven -Lehe) .

Den Angaben zufolge verkehren die Linien RB45 (Braunschweig Hbf – Schöppenstedt) und RB46 (Braunschweig Hbf – Herzberg) im Zweistundentakt. Auch für die RB80/81 (Göttingen/Bodenfelde – Nordhausen) und die RB82 (Göttingen – Kreiensen – Bad Harzburg) ist zumindest auf einigen Strecken ein Zweistundentakt vorgesehen.

Die Züge von Metronom, Enno und Transdev, zu denen auch die S-Bahn Hannover und die Nordwestbahn gehören, werden nicht bestreikt. Allerdings kann es beispielsweise durch Streiks an Stellwerken zu Verzögerungen und Ausfällen im Fahrplan kommen.

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Ein ICE-Zug der Deutschen Bahn mit verlassenem Lokführerplatz steht am Hauptbahnhof Hannover.  © picture Alliance Foto: Julian Stratenschulte

Der Arbeitskampf wird voraussichtlich bis Montag andauern. Auch in Niedersachsen sind zahlreiche Zugverbindungen betroffen. mehr

Schleswig-Holstein: Linie Lübeck-Hamburg im Stundentakt

In Schleswig-Holstein fallen voraussichtlich die RB62 zwischen Heide und Itzehoe und die RB85 von Lübeck nach Neustadt aus. Hingegen verkehren der RE8 und der RE80 stündlich zwischen Lübeck und Hamburg. Die Regionalbahn 81 von Bad Oldesloe nach Hamburg soll im Zweistundentakt bedient werden, ebenso die Züge der Linien RE7 und RE70 zwischen Hamburg, Neumünster und Kiel. Nach Angaben der Deutschen Bahn sollen die Züge zwischen Neumünster und Flensburg voraussichtlich im Dreistundentakt verkehren. Fahrgäste müssen in Neumünster umsteigen.

Der RE6 wird außerdem im Dreistundentakt zwischen Westerland auf Sylt und Hamburg-Altona angeboten. Für Nahverkehrsreisende stehen die Züge des Sylt Shuttle plus zwischen Niebüll und Westerland zur Verfügung.

Nordbahn, AKN und Erixx sind vom Streik in Schleswig-Holstein nicht direkt betroffen und wollen wie geplant operieren. Auch auf der Linie X85 von Puttgarden nach Lübeck wird nicht gestreikt. Allerdings kann es in einigen Fällen dennoch zu Einschränkungen kommen. Laut AKN beispielsweise zwischen Neumünster und Neumünster Süd – abhängig von der Verfügbarkeit des Stellwerks der Deutschen Bahn. Die AKN hatte letzte Woche eine Einigung mit der GDL im Tarifstreit erzielt.

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Eine Bahn-Anzeigetafel macht auf den Streik aufmerksam.  © Imago Images Foto: Agentur 54 Grad

Ab heute streiken die Lokführer der GDL erneut – mit erheblichen Auswirkungen auf den Bahnverkehr. Auch in Schleswig-Holstein. mehr

MV: Ausfälle im Rostocker S-Bahn-Verkehr

In Mecklenburg-Vorpommern ist nach Angaben eines Bahnsprechers der Rostocker S-Bahn-Verkehr betroffen. Nach Angaben der Deutschen Bahn werden auch Verbindungen andernorts ersatzlos gestrichen. Besonders betroffen sind der Zugverkehr auf Usedom (RB23/RB24), die S-Bahn-Verbindungen von und nach Warnemünde (S1) sowie zwischen Rostock, Laage und Güstrow (S3) sowie die Verbindungen zwischen Velgast und Barth (RB25). Die RE1-Linien verkehren gelegentlich zwischen Hamburg und Rostock und die RE3 zwischen Angermünde und Berlin. Die Regionalzüge der Ostdeutschen Bahn (Odeg) sind nicht betroffen. „Grundsätzlich fahren wir“, sagte eine Sprecherin am Montag. Sollte es jedoch zu einem Streik der Stellwerksmitarbeiter kommen, könne dies auch Auswirkungen auf Bahnreisende mit der Odeg haben, hieß es.

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Hinweis auf den bevorstehenden Streik der Lokführergewerkschaft GDL in Demmin.  © IMAGO

Die Lokführergewerkschaft hat einen sechstägigen Streik im Bahnverkehr angekündigt. Der Notfahrplan für MV deckt nur vereinzelte Verbindungen ab. mehr

Eine Anzeige auf der

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Ab Mittwoch müssen sich Bahnreisende auf weitere Zugausfälle der Deutschen Bahn einstellen. 1 Minute

Hamburg: Massive Störungen im S-Bahn-Verkehr erwartet

Nach Angaben eines Sprechers der Hamburger S-Bahn wird der Notbetrieb ähnlich wie beim letzten Streik auf den Linien S1, S2, S3 im 20-Minuten-Takt und auf der S5 im Stundentakt aufrechterhalten. Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) rechnet mit erheblichen Beeinträchtigungen im Regionalverkehr. „Fahrgäste werden gebeten, wenn möglich U-Bahnen und Busse zu nutzen.“

Aufgrund der besonderen Dauer des Streiks rechnen sowohl der Fahrgastverband Pro Bahn als auch die GDL mit großen Schwierigkeiten. Da auch die Stellwerke bestreikt werden sollen, wird es voraussichtlich auch bei Metronom, der Nordbahn und der AKN zu Ausfällen kommen, obwohl diese Unternehmen nicht streiken.

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Eine S-Bahn kommt am Bahnhof Dammtor an.  © Rabea Gruber/dpa

Der Streik der Lokführergewerkschaft GDL wird voraussichtlich sechs Tage dauern. Die Hamburger S-Bahn will Notbetrieb anbieten. mehr

Vierter Streik im laufenden Tarifstreit

Der Streik ist der vierte im laufenden Tarifkonflikt. Vor dem Jahreswechsel legte die GDL in zwei Warnstreiks große Teile des Personenverkehrs lahm Im Januar folgte ein dreitägiger Streik mit ähnlichen Auswirkungen.

Der am Freitag vorgestellte Das Angebot der Bahn sieht ab August 4,8 Prozent mehr Geld für Arbeitnehmer vor, ab April 2025 weitere fünf Prozent mehr. Zudem ist die Zahlung der Inflationsausgleichsprämie unmittelbar nach einem möglichen Tarifabschluss vorgesehen. Die Laufzeit soll laut DB-Angebot 32 Monate betragen. Außerdem bietet die Bahn Lokführern und Zugbegleitern ab dem 1. Januar 2026 die Möglichkeit, bei gleichem Gehalt ihre Arbeitszeit von 38 auf 37 Stunden zu reduzieren – ohne Stundenverkürzung würde die Bahn 2,7 Prozent mehr Geld bieten. Insgesamt erhielten die Mitarbeiter, die an ihrer aktuellen Arbeitszeit festhielten, mit dem Angebot 13 Prozent mehr Bruttogeld als jetzt. Die GDL verlangt 555 Euro mehr pro Monat sowie eine Inflationsausgleichsprämie für eine zwölfmonatige Laufzeit.

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Ein Regionalzug verlässt den Bahnhof in Hannover.  © Moritz Frankenberg

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Im laufenden Tarifstreit bietet das Unternehmen der Gewerkschaft unter anderem ein weiteres Wahlmodell zur Arbeitszeit an. 3 Min

Der Lokführer Jonas Wagner aus Rüting (Kreis Nordwestmecklenburg) © privat Foto: privat

Der Streik soll bis Freitag dauern. Der Lokführer erklärt, warum er höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten für angemessen hält. mehr

Lokführer Thorsten Adler sitzt im Büro.  © NDR Foto: Privat

Zwei Eisenbahner aus Schleswig-Holstein erklären, warum sie streiken und was ihnen wichtiger ist als Geld. mehr

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NDR-Info | Nachrichten | 23.01.2024 | 18:00 Uhr

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Adelbert

Hallo, ich bin Adelbert. Ich bin Nachrichtenautorin und es liegt mir am Herzen, wichtige Geschichten zum Leben zu erwecken. Ich schreibe nun schon seit Jahren und liebe die Herausforderung, die richtigen Worte zu finden, um eine Geschichte auf interessante Weise zu erzählen. Meine Lieblingsthemen sind Politik und aktuelle Ereignisse, und ich bemühe mich, den Lesern genaue Informationen zu liefern, die ihnen helfen können, fundierte Entscheidungen zu treffen. Wenn ich nicht schreibe, genieße ich es, neue Orte zu erkunden und neue Leute kennenzulernen.
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